Republik Moldau – Chișinău & Transnistrien
Ein Land das es nicht gibt, ein Flug der nicht gebucht ist und ein Hotel das nicht unser ist.
Mit einem WizzAir-Flug ging es von Basel-Mulhouse nach Chișinău. Chisiwas? Wo ist das denn wieder? Chișinău ist die Hauptstadt von Moldawien resp. der Republik Moldau, um es korrekt zu halten. Sie liegt zwischen Rumänien und der Ukraine. Zum ersten Mal entschied ich mich für die Billigairline und wurde zu meiner eigenen Überraschung nicht enttäuscht. Pünktlich und mit kostenloser Beinfreiheit an Bord flog ich in die entfernte Republik. Zehn Minuten vor geplanter Landung, stand ich bereits am Einreiseschalter. Ohne Probleme, jedoch mit Stempel im Pass, liess die nette Dame mich einreisen. Da in Moldawien weder Uber noch Bolt vorhanden waren, entschied ich mich den Bus in die Stadt zu nehmen. An der Haltestelle lernte ich eine Frau kennen, die ursprünglich aus der moldawischen Region kommt und jetzt in Deutschland lebt. Gebrochen Deutsch fragte sie ganz verwundert, was ich denn in Moldawien mache oder wolle? Fussball und Reisen waren meine Antworten. Der Blick war verdutzt. Sie beharrte darauf, mir das Busticket (2 Lei = knapp 10 Rappen) zu spendieren. Fürs Gepäck auf dem Ablagefach musste ein ganzer Lei zusätzlich bezahlt werden. Während der ganzen Fahrt erzählte sie mir dann, was ich über Moldawien wissen musste. Von bester SIM-Karte über Essen bis Transportmittel. Das nenn ich Gastfreundschaft. Sie ging sicher, dass mir die andere Frau im Abteil sagte, wann und wo ich aussteigen müsse, was allerdings auch meine Google-Maps-Karte zeigte. Ohne Internet (weil sich Moldawien in Zone C befindet) ging es zum gebuchten Apartment. Bereits in Basel musste ich feststellen, dass der Anbieter das Apartment storniert hatte, die Info jedoch nicht bei mir angekommen ist. Kurz vor Abflug buchte ich eine entsprechende Alternative im gleichen Wohnblock. Diese hat mir meine Ankunftszeit bestätigt. Als ich da ankam, fand ich weder eine Person, noch einen Zugang vor. In der Buchung steht, dass die Person vor Ort sei und die Schlüssel übergeben würde. 30 Minuten vergingen. Alles beim Alten. Auch das Anrufen und Kontaktieren des Gastgebers bringte keinen Erfolg. Danke an den Rumänen, der mir vor dem Block einen Hotspot einrichtete. So stand ich da, in der Dunkelheit von Chișinău und ohne Übernachtungsmöglichkeit. Nach fast 2.5h Wartezeit in einer benachbarten Dönerkette entschied ich mich ein Hotel zu buchen. Meine Geduld war am Ende. Katastrophenstart und es sollte nicht das letzte Missgeschick bleiben. Nach dem Einchecken im Flowers Hotel (wärmstens zu empfehlen) telefonierte ich zur Beruhigung meiner leicht angezählten Nerven mit einer Schweizer Freundin, bevor man sich hinlegte.
Am kommenden Morgen besorgte ich mir eine SIM-Karte, wie es die ältere Frau im Bus empfohlen hatte. Im Orange Store kaufte ich mir dann eine SIM-Karte mit 10GB und 250 Anrufminuten. Wer jetzt denkt, du brauchst doch für ein paar Tage nicht so viel: Korrekt, aber es gab keine kleineren Datenpakete. Nur der Preis war erstaunlich. Ganze 24 Lei (umgerechnet CHF 1.30) bezahlte ich dafür. Es lohnt sich also. Danach lief ich über den Wochenmarkt zur Kathedrale zur Geburt des Herrn, dem Triumphbogen, dem Central Park und schlussendlich zum Naherholungsgebiet inkl. See was sich Valea Morilor nennt. Musik in den Ohren und pure Erholung auf einer Parkbank. So sollte Urlaub sein. Am Nachmittag besuchte ich das Spiel der 2. Liga zwischen dem CS Dacia Buiucani und dem CSF Spartanii Selemet. Fussballländerpunkt 46! Am Abend ging es mit zwei deutschen Groundhoopingkollegen in einem Grill-Restaurant essen. Morgen geht es nach Tiraspol resp. Transnistrien.
Transnistrien
Samstag ist Transnistrien-Tag! Es handelt sich hier nicht um eine sexuell- oder geschlechtsneutrale Randgruppe, sondern um ein Land, das es eigentlich gar nicht gibt. Aber alles der Reihe nach. Wir trafen uns um 7:30 in der Früh beim Apartment der gestern spätabends angereisten Freunde aus Deutschland. Zu fünft auf vier Sitzen im Auto des Gastgebers ging es an den Flughafen, wo unser Mietwagen für den heutigen Tag stand. Mit dem Beifahrersitz hatte ich für diese Fahrt den deutlich besten Platz der Gruppe erwischt. Vom Flughafen ging es dann in etwas mehr als einer Stunde nach Tiraspol. Bereits vor der Stadt Bender kam die Grenzkontrolle zu Transnistrien. Ein Land, das es nicht gibt. Das Land ist nicht offiziell anerkannt und gehört offiziell zur Republik Moldau. Bei der Einreise kontrollieren sie Pässe und stellen ein Ein- resp. Ausreisepapier aus. Stempeln im Pass dürfen sie ja nicht. Eigenes Geld, eigene Nummernschilder und eigene Regeln. Sehr speziell. Transnistrien ist sehr russisch resp. sowjetisch angehaucht, was auch deutlich zu sehen ist. Ebenfalls auffallend ist das Wort „Sheriff“. Alles heisst hier so. Tankstellen, Fussballverein, Stadien und Vieles mehr. Erstaunlich, dass die Strassen oder Gebäudenamen nicht auch noch das Wort Sheriff enthalten. Wir schauten uns das Stadtzentrum, den Markt und die Umgebung an. Bescheiden. Dann doch lieber zum Fussball. Das war auch der Plan. Bereits um 14:00 stand ein Spiel in Bender, der Grenzstadt in Transnistrien, an. Die Tribüne des „Stadionul Dinamo“ war atemberaubend. Nach dem Spiel, wo mehrheitlich Groundhopper waren, fuhren wir für das zweite Spiel wieder zurück nach Tiraspol. Keine zehn Minuten Fahrtzeit trennt die beiden Städte. Dazwischen befinden sich überraschend militärische Checkpoints mit bewaffneten Soldaten. Sheriff Tiraspol gewinnt das Spiel gegen den FC Sfântul Gheorghe überlegen mit 4:0. Danach ging es zurück in die Hauptstadt Chișinău. Auto abgeben. Schlafen. Morgen wird ein harter Tag.
Bukarest / Rumänien
Um am Sonntag in Rumänien noch ein Fussballspiel zu besuchen, hatte man sich entschieden mit einem Freund aus Deutschland den Morgenflug nach Bukarest zu nehmen. Der Schock kam jedoch schon am Vorabend. Nach unserer Rückkehr aus Tiraspol wollte ich für den Flug einchecken und bemerkte, dass ich den Flug für Montag 05:25 in der Früh gebucht hatte. Wie konnte das passieren? Ich mag mich erinnern, dass ich die Daten mehrfach kontrolliert hatte. Seltsam. So musste ich um 22:00 erneut den Flug Chișinău-Bukarest buchen. Diesmal für Sonntagmorgen. Mehrkosten 120 Schweizer Franken. Bitter, aber kein Weltuntergang. Um 3 Uhr in der Früh ging es mit dem Taxi an den Flughafen. Zu früh für jeden Menschen auf dieser Welt. Manchmal ist das Leben kein Ponyhof und Groundhopping muss ja bekanntlich weh tun. In Bukarest besuchte man aufgrund der schlechten Terminierung und Verschiebung von Spielen der 1. Liga vier Spiele in unterklassigen Ligen. Auch heute ging etwas schief. Das erste Spiel wurde mit 30 Minuten Verspätung angepfiffen, so dass wir nicht das ganze Spiel sehen konnten. Und dass wir mit dem Taxi zuerst ins falsche Hotel fuhren, unser Gepäck da lagerten, bevor wir merkten, dass wir in der falschen Unterkunft waren 🙂 Eigentlich wollte ich in diesem Blogbeitrag nicht viele Worte über Bukarest verlieren, da ich da ja bereits war. Hier geht es zum Blogbeitrag von 2019. Die Geschichte um das „Grivita Pub&Grill“ kann ich euch jedoch nicht vorenthalten. In dem Restaurant, wo wir unser Abendessen hatten, war es Tradition, dass du die Schale der Erdnüsse, die auf dem Tisch standen, auf den Boden wirfst. So lagen überall im ganzen Restaurant neben den Tischen Schalen. Sehr speziell und gewöhnungsbedürftig, jedoch kreativ und so, dass einem das Restaurant in Erinnerung bleibt. Job done!
Am Montagabend ging es dann nach einer guten Mahlzeit (rumänische Vorspeiseplatte und Gulasch) mit einem verspäteten WizzAir-Flieger nach Genf und von da nach Hause, wo man durch die Flugverspätung erst nach Mitternacht müde ins Bett fiel.







































